Palmbühl

Geschichte der Wallfahrtskirche auf dem Palmbühl …..

...im Volksmund liebevoll die Palmbühlkirche genannt. Die Kirche ist außerhalb Schömbergs auf der Flur Palmbühl.
Bei vielen alten Kirchen und Wallfahrtsorten stellt sich die Frage, wie sie entstanden sind und warum gerade an diesem Ort gebaut wurde. Oft fehlen die alten Dokumente, die eine Antwort auf diese Frage geben und an die Stelle von Dokumenten tritt die Sage. So ist es auch bei der Palmbühlkirche, über die es u.a. folgende Sage gibt:

Zwischen Schömberg und Dotternhausen, da stand vor langer Zeit ein Bildstöckchen zu Ehren der Muttergottes. Gar manch frommes Wunder ereignete sich dort und die Menschen kamen von weither, den gesegneten Ort zu besuchen. Und so beschlossen die braven Christenmenschen, eine Kapelle zu erbauen. Man wählte dafür einen höheren Platz, nämlich oben auf dem Palmbühlkapf. Sie schafften Holz und Steine herbei, aber was sie auch im Schweiße ihres Angesichts hinaufschleppten, alle Morgen lag es wieder unten bei dem Bildstöckchen. Endlich baute man die Kapelle an die Stelle vom Bildstöckchen.

Soweit die Sage. Der erste belegbare Nachweis berichtet, dass schon im Jahr 1464 eine Kapelle, die dem Hl. Leonhard geweiht war, an diesem Platze stand, aber ums Jahr 1600 am Zerfallen war. Ein Schömberger Bürger wollte wieder eine neue Kapelle bauen und hatte zu diesem Zweck Geld angespart. Seine Lebenszeit reichte dazu aber nicht mehr. Auf dem Sterbebett gab er seinem Sohn das gesparte Geld mit dem Auftrag, sich der zerfallenen Kapelle anzunehmen. Ab 1631, also mitten im Dreißigjährigen Krieg, wurde mit dem Errichten einer Kapelle begonnen. Um 1660 war diese fertig und verehrt wurden nun neben dem Hl. Leonhard  der Hl. Mauritius, die Muttergottes und die Vierzehn Nothelfer. Der Besuch der Kapelle muss sehr groß gewesen sein, denn trotz größter Notzeiten wurde bald wieder Geld gesammelt, um aus der Kapelle eine größere Kirche zu bauen. Baubeginn war 1680 und es dauerte 53 Jahre, bis im Jahre 1733 der Weihbischof von Konstanz Kirchweihe halten konnte.

Ob und was für ein Altar in der Kirche war, ist nicht bekannt. Die heutigen Altäre und die Kanzel kamen erst später in die Kirche. Im Jahr 1746 erhielt der damalige Stadtpfarrer Mathias Ketterer vom Bischof den Auftrag der Altar- und Tabernakelweihe in der Palmbühlkirche zu Schömberg. Es kann festgestellt werden, dass ab dem Jahr 1746 die Palmbühlkirche in ihrer heutigen Form fertig war. Von da an war das Allerheiligste in der Kirche und es wurden regelmäßig Hl. Messen gefeiert. Die Betreuung der Kirche oblag dem jeweiligen Schömberger Stadtpfarrer und seinem Vikar. Die Wallfahrt nahm stetig zu. Bruderschaften und Pilgergruppen aus der Umgebung kamen in Prozessionen zum Palmbühl gezogen.

(Hochaltar)

Das Wallfahren stand in voller Blüte, als ums Jahr 1780 dunkle Schatten auch die Palmbühlkirche erreichten. In Wien wurde Josef II. zum Kaiser ernannt. Seine Ansicht vom kirchlichen und klösterlichen Leben wich von der bisherigen habsburgischen Einstellung ab. Auch das Wallfahren hatte bei ihm keinen besonderen Stellenwert.

Da Schömberg damals zu Vorderösterreich gehörte, trafen neue Erlasse auch unsere Gegend und damit auch den Palmbühl. Die Wallfahrten kamen zum Erliegen, die Kirche verwaiste. Es wurde eingebrochen und wertvolle Gegenstände wurden gestohlen. Es kam soweit, dass der Oberkirchenrat die Palmbühlkirche wegen „Entbehrlichkeit“ zum Abbruch freigab. Nur eine vorhandene Stiftung zum Erhalt der Kirche konnte dies verhindern.

                                                (Einzig erhaltene Votivtafel von ursprünglich vielen)

Erst 1849 begann ganz langsam wieder neues Leben auf dem Palmbühl. Es wurden an besonderen Tagen wieder Andachten und Gottesdienste gehalten. Bittprozessionen führten wieder zum alten Wallfahrtsort. Nach und nach wurden zuvor entwendete Gegenstände zurückgegeben. Manches wurde neu beschafft bzw. als Schenkung der Kirche vermacht.

Ab 1922 bemühten sich die Verantwortlichen der Stadt- und Kirchengemeinde darum, die Betreuung des Palmbühls in die Hand von Ordensleuten zu geben. Dieser Wunsch ging 1924 in Erfüllung, als die Franziskaner von ihrer Klosterniederlassung in Rottweil den Dienst der Wallfahrtsseelsorge hier übernahmen.

Dies war ein Glücksfall auch in Bezug auf auf die vielen kleinen Heiligtümer, die jetzt im Park um die Kirche entstanden. Die Franziskaner bauten mit Hilfe mancher Bürger Grotten und kleine Kapellen.

(Lourdes-Grotte)

Auch die schon 1868 von einer Schömberger Bürgerin gestifteten Kreuzwegstationen fügen sich in diesen Kreis der Heiligtümer ein. Der Stationenweg führt von Schömberg kommend hinauf zur Kirche.

(Kreuzwegstation im Außenbereich des Palmbühls)

Alles zusammen, die barock eingerichtete Kirche mit dem Gnadenbild der Schmerzensmutter, der Park und die darin gebauten Grotten und Kapellen machen den Wallfahrtsort so einmalig und tragen mit dazu bei, dass die Palmbühlkirche wohl die bestbesuchte Kirche in unserer Region ist. Der Mensch kommt hier zur Ruhe. Geist und Seele können sich erholen.

(Pieta - Gnadenbild vom Palmbühl um 1340)

                                         (Pfarrer i.R. Josef Schäfer)

Seit dem Jahr 2006 wird die Wallfahrt von einem pensionierten Pfarrer, der aus einer Nachbargemeinde stammt, betreut. Dies war wiederum ein Glücksfall, nachdem die Franziskaner keinen Pater mehr zur Verfügung stellen konnten.

 

Für den Erhalt von Kirche und Anlage sorgen überwiegend die Spenden vieler Pilger und der Arbeitseinsatz der Freunde des Palmbühls.

B.S.

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